Mitbesitz - Was heißt das eigentlich?


Lillet ist im Mitbesitz bei ihrem Züchter. Dies wurde bereits im Kaufvertrag entsprechend festgehalten. 

Mitbesitz bei uns umfasst das Zuchtrecht. Also das Recht auf einen Wurf mit einer Hündin (Lillet) bei entsprechender Entwicklung und nach den Regeln unseren Vereins, der Mitglied im VDH ist. 


Richtig. Damit bin ich nicht der Züchter der Welpen und werde den Wurf auch nicht bei mir großziehen. Und wisst ihr was? Ich bin sehr fein damit und sogar froh drüber. Froh darüber keine Entscheidungen treffen zu müssen und froh darüber jahrzehntelanges Wissen und Erfahrung an der Hand zu haben.

Ich empfinde Mitbesitz als tolle Sache. Eine schöne Gelegenheit für alle Beteiligten, wenn man so will. 

Denn ein Züchter kann sich keine 20 Hunde behalten. Wie sollte er auch allen Hunden dann gerecht werden? Es ist für ihn also von Vorteil vielversprechende Hunde im Mitbesitz zu verkaufen um sie vielleicht später einmal bei sich einsetzen zu können. Somit hat er Zugriff auf viele Hunde und deren genetisches Erbmaterial. Denn wir dürfen nicht vergessen, ein seriöser Züchter züchtet für den Rasseerhalt. Ohne Zuchthunde keine Welpen, ganz einfach. 

Eine große Auswahl an Zuchttieren ermöglichst es ihm außerdem sich die richtigen Tiere für die Weiterzucht aussuchen zu können. Man hat einfach mehr Auswahl an Charakter, Gesundheit und Anatomie etc. ..

Als Besitzer hat man die Chance einmal das „Abenteuer Welpen“ mitzuerleben, zu begleiten und einiges dabei zu lernen. Ein wirklich schönes Erlebnis ohne dabei selber zu züchten und die Verantwortung zu tragen. Wir können schließlich nicht alle Züchter sein! 
Die Hündin wiederum wächst in einer Familie auf und kann 100% Aufmerksamkeit genießen, wird gefördert und ist übertriebene gesagt die Prinzessin auf der Erbse.

Der einzige Nachteil der mir einfällt: Ja, man gibt seine Hündin für einige Zeit ab. Aber ist das wirklich so schlimm für den Hund oder eher für uns?

Lillet kennt ihre Züchter. Es sind schließlich die Menschen die sie auf die Welt geholt haben. Die ersten Menschen die sie je gesehen hat, die ersten Menschen zu denen sie eine Bindung aufgebaut hat und die ersten Menschen auf die sie geprägt wurde. Über die Jahre haben wir den Kontakt gehalten und waren regelmäßig zu Besuch. Es sind also schonmal definitiv keine Fremden für sie.

Kehrt Lillet also nicht eher sogar nach Hause zurück? In das Haus wo sie selber geboren wurde? 

Lillet kennt außerdem Tagesbetreuung, Gassiservice und Hundekitas. Für sie ist das weder ungewöhnlich noch belastend. Hätte ich hier Zweifel, hätte ich mich selbstverständlich gegen den Mitbesitz entschieden. Auch im Nachhinein, denn auch für den Züchter ist es wichtig, dass die Hündin keinen Stress hat. Eine gestresste Hündin wirkt sich natürlich auch negativ auf ihre Welpen aus. 


Was viele zudem unterschätzen: Sobald die Welpen geboren sind, verschieben sich die Prioritäten der Hündin ganz deutlich. Dann stehen die Welpen an erster Stelle. 

Während der Geburt war Lillet vollkommen auf ihre „Ostereier“ fokussiert. Natürlich hat sie uns wahrgenommen, begrüßt und sich gefreut – doch all das war für sie nebensächlich. Ihr gesamtes Handeln war klar auf Geburt und Welpen ausgerichtet, selbst nachdem sie uns einige Tage nicht gesehen hatte. 

 

Auch in den Tagen und Wochen danach wollte sie ihre Welpen kaum verlassen. Man musste sie regelrecht überreden, kurz nach draußen zum Lösen zu gehen. Selbst zum Trinken stand sie nur ungern auf – am liebsten wäre sie die ganze Zeit bei ihren Welpen geblieben. 

 

Mit zunehmendem Alter und wachsender Selbstständigkeit der Kleinen wurde auch Lillet wieder unabhängiger und begann, sich mehr um sich selbst zu kümmern. Doch erst ganz zum Schluss war sie bereit, mit mir wieder nach Hause zu gehen. Das war ein sehr spannender und bewegender Prozess. 

 

Oft werde ich gefragt, ob sie ihre Welpen vermisst hat. Ganz klar: Nein! 

Sie hat weder gejammert noch wirkte sie gestresst oder suchte nach ihnen. Mit acht Wochen waren die Welpen bereit für ihre eigene Welt – und Lillet war bereit, Abschied zu nehmen. Ganz selbstverständlich sprang sie ins Auto und war wieder bei uns.. als wäre sie nie weggewesen.

 

Aus heutiger Sicht würde ich mich jederzeit wieder für einen Hund im Mitbesitz entscheiden – auch bei einer zukünftigen Hündin. Mit dieser Entscheidung unterstützt man nicht nur den eigenen Züchter, sondern auch die Rasse und trägt aktiv dazu bei, dass eine neue Generation Dalmatiner verantwortungsvoll heranwachsen und das Licht der Welt erblicken kann. 

 

Voraussetzung dafür ist allerdings ein vertrauensvolles und respektvolles Verhältnis zum Züchter. Ohne gegenseitiges Vertrauen funktioniert Mitbesitz nicht. 


Weder Lillet noch ihre Welpen würde es heute geben wenn wir als Besitzer nicht unsere Hunde zur Verfügung gestellt hätten. Denn auch Lillet‘s Mama und Papa waren im Mitbesitz und dafür bin ich sehr dankbar.